<


Reinhard Lange, Gartenbild I
Reinhard Lange, Gartenbild II
Reinhard Lange, Gartenbild III
Langes Gartenbild (vierteilig), 2001

Reinhard Lange, Gartenbild IV

„Ich habe keine Neigung zur Perfektion. Unzulänglichkeiten inspirieren mich“, sagt Reinhard Lange, “vor, während und nach dem Malvorgang, und das wertlose Material hilft, Hemmungen verschiedenster Art zu überwinden. Ich habe das Gefühl, daß die noch nassen Arbeiten über Nacht reifen – auch noch im Rahmen.”

Die einzigartigen Bilder entstehen auf dem Boden, und als Malgrund dienen sowohl ausgediente Kartons und Zeitungsseiten als auch alte Pappe oder Bettlaken. Gegenwärtiges vermischt sich zu einer neuen Welt von Empfindungen, Eindrücken und Assoziationsmöglichkeiten, die dem Betrachter immer wieder neue Entdeckungen und Seherlebnisse ermöglichen.

Reinhard Lange wurde 1938 in Hameln geboren. Er studierte von 1959 bis 1966 Malerei und Kunstpädagogik
an der Hochschule für bildende Künste in Berlin bei Fred Thieler und Mac Zimmermann und war Meisterschüler bei Fred Thieler. 1964 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Ausstellungsgemeinschaft „Großgörschen 35“. Als Kunsterzieher ging er 1972 nach Hameln zurück, wo er bis heute lebt und arbeitet.

 




Ulrich Baehr,
Der Sieg des Sozialismus, 1965
Peter Sorge,
Seitenbinder, 1966
K.H. Hödicke,
Ausverkauf, 1964

In den 60iger Jahren gab es viel kreative Bewegung im Westteil Berlins: Erwin Piscator war zurückgekehrt; der Schauspieler Günter Meissner mit der Galerie “Diogenes” in der Bleibtreustraße; das “Living Theatre” in der Akademie der Künste, Frank Burckners Expressionistisches „Forum” am Ku-damm, Ben Wargin im Tiergarten, Manfred de la Motte im Haus am Waldsee und, und, und….; darunter auch Großgörschen 35, die erste Selbsthilfegalerie Deutschlands. Sie wurde 1964, also vor 40 plus einem Jahr gegründet. Das Projekt war eine offene Geschichte. Also nicht von Anfang an Realismus. Das Ziel, gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen. 14 Künstler richteten sich in der leer stehenden Fabriketage in der Großgörschenstraße 35 im (West-)Berliner Bezirk Schöneberg einen Ausstellungsraum her, den sie gemeinsam finanzierten, um dort nach- oder miteinander ihre Arbeiten zu präsentieren, weil sie auf dem damals offiziellen Kunstmarkt keine Chance hatten. Erst Jahre später haben sich einzelne Teilnehmer, darunter vor allem Sorge, Diehl und Petrick, auch unter dem Rubrum “Kritischer Realismus”, zur Gruppe “Aspekt” zusammengeschlossen. Nach einem Jahr verließen Hödicke, Wintersberger und Lüpertz die Gruppe; Eva und Lothar C. Poll stießen 1966 unterstützend als Seiteneinsteiger dazu. Aus Spiel wurde Ernst. Das Gedicht des Münchner Schriftstellers Rolf Funke „Der Ernst des Lebens“ (1967) auf unserer Einladungskarte, hier zum ersten Mal veröffentlicht, spiegelt die damalige Stimmung.

Die Bedeutung der Galerie Großgörschen lag, außer in ihrem Modellcharakter als Selbsthilfegalerie, vor allem darin, daß sie die wichtigsten jungen Künstler der Zeit, die später zu unterschiedlichem Ruhm gelangen sollten, zusammenfaßte und bekannt machte. Es war der Beginn einer Erneuerung der Kunst, die bis heute ihren Stellenwert in der neueren Kunstgeschichte nicht nur behalten hat sondern noch immer fortwirkt. (Ursula Prinz)

In dieser Ausstellung, Hommage und Spurensicherung zugleich, zeigen wir ab 16. September Bilder und Arbeiten auf Papier der genannten Künstler aus den Jahren 1964-1968.





Reinhard Lange,
Pusztastuben, 1964
Bernd Koberling,
Morgenröte, 1966
Wolfgang Petrick,
Ein langer Grüner, 1966
 


Hermann Kirchberger, o.T. (Mit Ball) Becky Sandstede, o.T. (Hügellandschaft blühend) Christel Poll, o.T. (Ausblick mit Palme)
Hermann Kirchberger,
o.T., 1968
Becky Sandstede,
o.T., um 1956-59
Christel Poll,
Ausblick mit Palme, um 1969

Drei Künstler derselben Generation - Hermann Kirchberger geb. 1905, Christel Poll geb. 1914, Becky Sandstede geb. 1909. Drei Künstler, die wie viele andere nach dem Zusammenbruch Deutschlands nach Wegen für einen kulturellen Neuanfang suchten. Wege, die hier nur im Ausschnitt skizziert sein sollen: Ein Übergang von strukturalen Figurationen zu figürlichen Themen mit schwermütig-magischer Aufladung im Werk von Hermann Kirchberger; ein farblicher Lyrismus im Werk von Christel Poll; die Entdeckung von evokatorischen Techniken auf der Grundlage surrealistischer Traditionen im Werk von Becky Sandstede.

In der modernen Malerei begegnen wir einer fast radikalen Zertrümmerung traditioneller Restbestände an Symbolen. Aber es geschah dabei ein Wunder; die Trümmer selbst schon ordneten sich im Kraftfeld einer neuartigen Sensibilität zu Formen, Gegenständen, Räumen und Gestalten, hinter denen unbezähmbare Neugier und Sehnsucht das Verlorene als Neues aufspüren. Denn nur in der Zukunft, nicht im Vergangenen liegt das Ziel ursprünglicher Unschuld, das alle Wagnisse dem Vertrauenden rechtfertigt.

Werner Heldt hat diese Sätze im Jahre 1947 seinem Freund Werner Gilles in das Faltblatt einer Ausstellung in München geschrieben. Der Wunsch vieler Künstler in Deutschland, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unbeschwert arbeiten zu können, Verlorenes wieder aufzuspüren, ist unverkennbar. Viele blickten über die Grenzen des zerstörten Landes, andere zogen in das südliche Arkadien. Aus der Suche nach dem Neuen wurde oft die Jagd nach der Novität.

Die begriffliche Gegenüberstellung von “Figuration” und “Abstraktion” wurde zu einem Schlagwort für die Kunst der Nachkriegszeit, mit dem versucht wurde, sich unter verschiedenen Vorzeichen den stilistischen Tendenzen eines Epochenstils zu nähern. Inzwischen liegt die Kunst des 20. Jahrhunderts, ein unendliches Bergwerk, zu Abbau und Erschließung durch nachfolgende Künstlergenerationen, vor uns und die Sicht auf die Ursprünge geht eher verloren. Jede Generation muß sich an die Arbeit machen. Galerien haben hierbei eine besondere Aufgabe, besonders dann, wenn die öffentlichen Sachwalter versagen. Sie sind Scouts für das Gegenwärtige und spüren auch immer wieder Zurückliegendes, Verschüttetes auf. In diesem Sinne: Spurensicherung, das Entdecken ehemaliger Schönheit, künstlerischer Standpunkte von vor über einem halben Jahrhundert – oder: “das Abstrakte der Malerei in Gegenstände bringen” (Werner Gilles). Hermann Kirchberger, Christel Poll und Becky Sandstede haben dies erfolgreich umgesetzt.

Beim Zustandekommen dieser Ausstellung und des Kataloges haben außer den Autoren viele Freunde und Kollegen geholfen. Unser Dank geht an die Leihgeber, an Dr. Gernot Thiele als kunsthistorischen Betreuer und Squaw Hildegard Rose und Hans-Joachim Rose als Nachlaßverwalter der Werke von Hermann Kirchberger und Becky Sandstede.

Eva und Lothar C. Poll


Christel Poll, o.T. (Mann im Boot) Hermann kirchberger, o.T. (Zwei Figuren) Becky Sandstede, o.T. (Schiff)
Christel Poll,
Bootsfahrt, 1959
Hermann Kirchberger,
o.T., um1960-64
Becky Sandstede,
o.T., um 1960
 


Bernd Damke, Abendgelb Bernd Damke, Mit hohem C Bernd Damke, Betreten verboten
Abendgelb, 1984 Mit hohem C, 1993 Betreten verboten, 2003

Bernd Damke, 1939 in Gräfendorf, Kreis Torgau, geboren, studierte 1959-63 Malerei bei Fred Thieler und Mac Zimmermann an der Hochschule für bildende Künste in Berlin.

Seine künstlerischen Anfänge widmete Damke der Collage und begann anschließend in den 60er/70er Jahren mit seriellen Kompositionen. Diese enthalten Abfolgen gleicher Formen, wobei oftmals Modefarben verwendet wurden, die dem Zeitgeist entsprachen. Eine minimalistische Bildsprache ist vorherrschend, auch ein Bezug zum Designfach läßt sich erkennen.

In den 80er/90er Jahren dominieren auf monochromen Farbflächen vereinzelte Zick-Zack-Linien, geschwungene Linien, kleine Quadrate, Rechtecke, Kreise und Halbkreise, an Scherenschnitt erinnernde und collagenartig zusammengesetzte Formen, die auch über den Bildrand herausragen können - ein erster Schritt in die Dreidimensionalität. Zur bevorzugten Technik seitdem wird Acryl auf Leinwand, Spanplatte oder KappaLine.

Die Fotografie tritt - als eigenständiges Medium - in den 80er Jahren hinzu. Mitte der 90er Jahre ergänzt Damke sein Œuvre um die dritte Dimension. Es entstehen den flächigen Arbeiten verwandte Skulpturen.

Seit drei Jahrzehnten reist Damke regelmäßig nach Ägypten und wurde 1979 Gastprofessor an der Fakultät für Angewandte Kunst der Helwan Universität in Kairo. 1972-2004 war er Professor an der Fachhochschule Münster im Fachbereich Design. Damke hat mehrere Kunstpreise gewonnen. Er ist Mitglied im Westdeutschen und im Deutschen Künstlerbund, in der Neuen Darmstädter Sezession und in der Neuen Gruppe München.


Bernd Damke, Aswan Bernd Damke, Quarun Bernd Damke, Matruh
Aswan, 1996 Quarun, 1996 Matruh, 1996
 
Maxim Kantor, Markt Maxim Kantor, Rotwein Maxim Kantor, Die Eltern
Markt und streunender Hund Rotwein Die Eltern, ein Passant und
Karl Marx
Maxim Kantor, Rotes Haus Maxim Kantor, Tätowierung Maxim Kantor, Versinkend
Rotes Haus Tätowierung Versinkend im Schnee
 


 Sibylle, 2006  Auf der Leiter, 2006  Sieben Frauen, 2003  Sibylle, 2006
 Bilder mit Sibyllen,
2006
 Auf der Leiter, 2006  Sieben Frauen, 2003  Bilder mit Sibyllen,
2006


die grellen Schauseiten in Straßenszenen und Salons, aber auch die mentalen Bereiche, die Rückzugsgebiete in hintersinnigen Allegorien, in konspirativen Künstlertreffen, in der grüblerischen Einsamkeit des Ateliers oder in beziehungsreichen Stilleben. Stelzmann ist der seltene Fall eines Malers, der die zeitgenössische wie die biblische Historie beherrscht und vor allem eine Durchdringung beider Sphären bewerkstelligt.
(Eduard Beaucamp)

 

Promised Land, 2004 Heimkehr 2, 2003/04 Tagebuch, 2004
Promised Land, 2004 Heimkehr 2, 2003/04 Tagebuch, 2004
Modus vivendi, 2003 Westblick, 2004 Rotel 4, 2004
Modus vivendi, 2003 Westblick, 2004 Rotel 4, 2004


Nie jedoch wirft Wendels Licht Schatten. Aus den Lichtpunkten wachsen Objekte in die Nacht. Leuchtzeilen bilden Hochhäuser, flüchtige helle Striche erzählen von nachtfahrenden Autos, Farbtupfer zeigen Straßenlaternen. Bewegung entsteht aus der Abfolge in diffusem Radius strahlenden Lichts. Diese optische Unergründlichkeit macht die Faszination seiner Bilder aus. Es stimuliert die Phantasie des Betrachters und verleiht den Arbeiten eine fast mystische Ausstrahlung. Das suchende Auge bewegt sich über den Bildrand, um gleich darauf durch die eigene Imagination vertrauter Erinnerungen wieder ins Bild hineingezogen zu werden.

Wendels (*1960) ist ein Pendler zwischen den Welten. Früh erlag er der Faszination der Großstadt und braucht doch gleichzeitig die Abgeschiedenheit der Provinz, um seine vielfältigen, oft nur in der Dynamik grober Lichtlinien skizzierten Eindrücke städtischer Orte und Ereignisse auf die Leinwand zu bannen. LandFlucht steht für den Weg, auf dem seine Arbeiten entstehen. Wendels Bilder, die oft an Filmstills erinnern, erzeugen, obwohl menschenleer, keine Einsamkeit. Der Betrachter bekommt das Gefühl, hier sei gerade etwas passiert oder es werde gleich eine Veränderung eintreten. Dazu notwendige Akteure scheinen nur kurzzeitig abwesend. Die Spannung entsteht so aus der Ungewißheit.

In einigen neuen Bildern nimmt Rot in mannigfaltigen Schattierungen den Platz des sonst schwarzen Fonds ein, erstrahlen auch die Lichter in rötlichem Schein. Die so entstehenden Stadtlandschaften und Rauminterieurs wirken sowohl sinnlich als auch bedrohlich.

Die Nachtbilder des studierten Theologen, Philosophen und Künstlers, inspiriert von Novalis und Eichendorff, für die die Nacht eine Metapher für das Geheimnis des Lebens war, beschleunigen die Sinne des Betrachters und entschleunigen ihn in einer visuell übersättigten Zeit.

 

Ein frischer Wind möge die Raserei wegfegen, 2005 Das Licht webt Schatten und Verbrennungen, 2005 Beim Klang der Posaunen von Jericho, 2005
Ein frischer Wind möge die
Raserei wegfegen, 2005
Das Licht webt Schatten
und Verbrennungen, 2005
Beim Klang der Posaunen
von Jericho, 2005


Erste Ausstellungen u. a. in Livorno, Rom und Turin folgten. Die Liebe führte Bulgini 1988 nach Deutschland. Er begann noch im selben Jahr sein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, diplomierte dort erfolgreich und wurde Meisterschüler bei Sean Scully.

Eindrücke des Alltags, gelebte Leben und “gestohlene Erinnerungen”, wie es Bulgini selbst nennt, verschmelzen in seinen Bildern zu manchmal bizarr anmutenden Landschaften, die scheinbar ureigene, komische und tragische Geschichten erzählen wollen, dabei jedoch immer rätselhaft bleiben.

Das Personal in Bulginis Bildfolge “Pathetische Landschaften” ist zwiespältig in seinem Tun, vielschichtig in offerierten Assoziationsmöglichkeiten. Ob Accessoires in Traumlandschaften oder Protagonisten seltsamer Welten, Bulginis Figuren wirken meist reaktiv, scheinen langsam zu agieren und werden so integraler Bestandteil der sie umgebenden Phantasielandschaften. Die Geschichten finden ihn und Bulgini läßt sich von seiner Malleidenschaft treiben: “Vor meiner Tür sind Gestalten mit schon fertigen Geschichten erschienen, es genügte sie eintreten zu lassen, sie haben sich auf dem Sessel erbrochen, haben ein Stück Brot gegessen und sind weg gegangen. … Ich habe nur gelernt, auf sie zu warten und sie nicht zu suchen.” Und er hat gelernt, wieviel Disziplin notwendig ist, um die phantastischen Welten nicht im Überschwang des Tatendrangs ausufern zu lassen. Immer erscheinen sie dem Betrachter als geschlossenes Ganzes.

F.W. Murnaus kongeniale Licht-Raum-Inszenierungen im Stummfilm “Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens” (1922) inspirierten Bulgini zu seiner Werkfolge “Videoüberwachung”. Die Faszination des kahlen Raumes paart sich mit durch die Leere erzeugter Angst. Ganz in Brauntönen gemalt, wird in dieser Serie das Licht zum Impulsgeber der Szenerie, wenn es verschiedenfarbig durch Türspalten, Fenstergitter oder Oberlichter fällt. Überwacht wird hier niemand und mit den Titeln der einzelnen Blätter mit Aussagen wie “Fehlen jeglichen Zögerns”, “Sensibler Bewohner” oder “Das Licht webt Schatten und Verbrennungen” konterkariert der Künstler humorvoll den Serientitel.

Bulgini ist ein Wanderer zwischen den Welten, Gegensätze sind sein Thema. Beim Ausloten von hell und dunkel, leise und laut, Wunschbild und Verdammnis malt er sich kraftvoll bis an die Grenzen dessen was das Triebhafte im Menschen sichtbar werden läßt - bestiarium mundi eben.


Leider haben wir keine frohen Nachrichten, 2005 Neue Kuh, 2005 Ich könnte nicht sagen was glüht, aber es glüht, 2005
Leider haben wir keine frohen
Nachrichten, 2005
Neue Kuh, 2005 Ich könnte nicht sagen was glüht,
aber es glüht, 2005
 

Mann (der Mörder), 1919
Mädchen mit Schleier (Sonia Gramatté), 1922
San Juan (Barcelona), um 1925
Mann (der Mörder), 1919 Mädchen mit Schleier
(Sonia Gramatté), 1922
San Juan (Barcelona), um 1925
Zwei Menschen, 1919

Zwei Menschen, 1919

Selbst, Kopf in die Hand gestützt, 1927

Selbst, Kopf in die Hand
gestützt, 1927

Das Müdesein I, 1917

Das Müdesein I, 1917


1897 in Berlin geboren, findet die Kindheit mit der Meldung als Kriegsfreiwilliger 1914 ein abruptes Ende. Ein Jahr später beginnt Gramatté - gesundheitlich geschwächt und vorzeitig aus dem Kriegsdienst entlassen - sein Kunststudium an der Königlichen Kunstschule des Kunstgewerbemuseums. 1918 wird er Hilfslehrer am Kaiser-Friedrich-Realgymnasium in Berlin und nimmt seine durch den Krieg unterbrochene Ausstellungstätigkeit wieder auf.

Gramatté heiratet die russische Komponistin und Pianistin Sophie-Carmen Fridman. Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff werden seine Freunde. Das Brücke-Umfeld bestimmt ihn auch künstlerisch. Seine Nähe zu dieser Künstlergruppe und die gleichzeitige Unabhängigkeit von ihr und den klassischen Expressionisten bleiben charakteristisch für sein Werk. In zahlreichen Bildmotiven greift er die psychischen und physischen Verletzungen einer ganzen Generation, seine Kriegserlebnisse während des ersten Weltkrieges und seine eigene Krankheit in intensiver Bildsprache auf. Mit der Unerbittlichkeit der Jugend treibt er seine Erfahrung von Gefährdung, Wahnsinn und Tod zu rückhaltlosem Ausdruck.

Düster und fast farblos zeigt sich Gramattés Frühwerk. Es entstehen hauptsächlich Kaltnadelradierungen, die nach eigener Beschreibung für ihn eine Möglichkeit zur Entladung seiner ungeheuren seelischen Spannung bedeuten. Fast singuläres Thema des graphischen Schaffens ist das Portrait. In seinen Selbstbildnissen spiegelt sich die marternde Erforschung der eigenen Person und deren Ausdruck - ein Sinnbild ständiger Suche. Die Lithographie-Serie “Selbstbildnis mit Häusern”, 1923, (jetzt in der Kunststiftung Poll zum ersten Mal vollständig mit allen 21 Blättern präsentiert), zeigt diese Suche in all ihrer Konsequenz und künstlerischen Ausdruckskraft. Immer wieder läßt sich der Künstler auch von anderen Kunstformen beeinflussen. Die Musik seiner Frau bringt mehr Farbe in die Arbeiten und führt ihn später zum Aquarell. Literatur inspiriert ihn. Gramatté schafft mit den Radierfolgen “Lenz”, 1924, und “Wozzeck”, 1925, beeindruckend neuartige Illustrationen der schon so oft aufgegriffenen literarischen Vorlagen. Besonders die Arbeit an “Lenz” ist für ihn leidvolle Selbstbefragung: “Schmerzen überall, nicht laufen, sitzen, liegen. … So ist mir wie ‘Lenz’ immer manchmal hell und dann immer tiefer und dunkler.” (Brief vom 1. Juni 1924 an den Sammler Walther Merck). Sein sich fortwährend verschlechternder Gesundheitszustand zwingt den Künstler dazu, nach und nach die Graphik aufzugeben.

Krankheit und Wohnungsnot zwingen Gramatté und seine Frau 1924 zur Übersiedlung nach Spanien. Dort wendet sich der Künstler verstärkt dem Aquarell zu. Der Süden bringt eine Aufhellung vormals dunkler Farben. Sein bevorzugtes Sujet wird die Landschaft, wohl auch in der Hoffnung auf Befreiung von Schwere, Tiefe und Leiden. 1926 Rückkehr nach Deutschland.

Immer wieder muß sich Gramatté in Kliniken behandeln lassen. Sein künstlerisches Schaffen tritt in den Hintergrund, aber er erreicht mit Einzel- und Gruppenausstellungen erfolgreich ein größeres Publikum.

Am 9. Februar 1929 stirbt Walter Gramatté, erst zweiunddreißigjährig, in einer Hamburger Privatklinik an Darmtuberkulose. Karl Schmidt-Rottluff entwirft den Grabstein seiner letzten Ruhestätte in Berlin-Wilhelmshagen.

Das Werk des Spätexpressionisten Gramatté gerät nach einer Gedächtnisausstellung 1932 zunächst in Vergessenheit. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: das tausendjährige Reich und das fehlende Gedächtnis danach, aber auch eine durch den frühen Tod bedingte kurze Schaffensperiode.

Erich Heckel drückt darüber in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts seine Verwunderung aus. Er hält Gramatté für einen der wenigen legitimen Nachfolger der Brücke. So gehören neben Heckel auch Schmidt-Rottluff, der von Gramattés Witwe zum Nachlaßverwalter bestimmt worden ist, zu den Initiatoren der letzten großen Ausstellung des Künstlers in Berlin (1968 im neu gegründeten Brücke-Museum), auf die 1982 eine Präsentation von Selbstportraits des Künstlers folgt.

Die Galerie Poll will mit ihrer Ausstellung - fast fünfundzwanzig Jahre danach - den Berliner Gramatté seiner Stadt wieder ein Stück näher bringen.

 

Raynaud, 2005
Schneewittchen (Blanche Neige), 2005
Meister Proper (Mr Propre), 2005
Raynaud, 2005 Schneewittchen, 2005 Meister Proper, 2005
Marie, 2004
Torso (F), 2005
Olivier, 2004
Marie, 2004 Torso (F), 2005 Olivier, 2004


Seit zehn Jahren widmet sich Olivier Heinry unter Verwendung von einfachen, jedoch außergewöhnlichen Techniken der Malerei und Bildhauerei. Seine Intention ist es nicht, einen bildlichen Ausdruck auf Leinwand oder Papier zu verdichten - Heinry zerlegt, was er schaffen will, chromatisch und physisch. Im Stil des Pointillismus klebt oder sprüht der Künstler Farbpunkte auf den Bildträger. Erst aus einer gewissen Entfernung fügt sich im Auge des Betrachters das Bild zusammen.

In seinen neuesten Arbeiten trägt Heinry das Bild in den Raum und läßt die Farbe zugunsten eines klaren Schwarz verschwinden. Akribisch perforiert er Papier. Durch Leerstellen entstehen neue Bilder, meist Portraits, so zum Beispiel von Beuys und Mao. Durch Reduktion, in diesem Falle des Trägermaterials, erreicht Heinry eine völlig neue Ausdrucksweise im Genre des Portraits. Die ausgestanzten Partikel scheinen in den Raum zu wandern, um sich dort in Skulpturen neu zu formieren.

Olivier Heinry wurde 1965 im französischen Laval geboren. Sein Studium an der Kunsthochschule in Rennes schloß er 1990 mit dem Diplom ab. Heute lebt und arbeitet Heinry wieder in seiner Heimatstadt Laval.

 

Kleines Bayern Karate/Himmelfahrt, 2007

Kleines bayern Karate/Sie flog, sie ritt, 2007

Kleines Bayern Karate /
Himmelfahrt, 2007
Kleines Bayern Karate /
Sie flog, sie ritt, 2007


Er schützte die DDR als wehrpflichtiger Grenzsoldat in Thüringen und besah sich, frisch entlassen, den Mauerfall im Fernsehen. 1992 Reimmatrikulation an der Humboldt- Universität, 1993 Wechsel an die HdK, wo ihn Wolfgang Petrick von der Prüfung weg in seine Klasse holte. Endlich wurde nur noch gemalt; die West-Berliner Studierbedingungen waren bestens.

Die Begegnung mit Petrick war prägend; die schon früher nicht ernst genommene Offizialkunst der DDR, aber auch die in oft freudlosen, zwanghaft rückbesonnenen ästhetischen Nischen versammelte Gegenkunst der ostdeutschen Verweigerungselite wurde mit tatkräftigem Armschwung überwunden. Die nachkriegsdeutsche Malerei des Westens hat Matting, teilweise hyperventilierend, aufgesogen und, die Stile im Wochentakt wechselnd, in der eigenen Arbeit aufgehoben.

Der einfache Trick, so Matting, „unter den Laborbedingungen der Individualkunst Malerei die Posamente einer historischen Niederlage (NVA) in ein sich selbst genügendes, zwanghaft siegreiches Gegenwartsgefüge (Bayern) zu implantieren, verschafft mir ein gewisses Meuterervergnügen und die Freude, mich als stänkernder Heimsucher des saturierten Westens fühlen zu können”. Politisch sieht er sich als „ratlosen Kommunisten mit einer Neigung zum Geldausgeben”.

Das alles jedoch, darauf legt Matting großen Wert, „spielt für das Malen nur als Anlass eine Rolle, ein Bild wird auf andere Weise fertig”. Hier geht es, so der Künstler, „um komplexe Prozesse des Widerstreits von Hast und Warten, um die anmaßende Überwindung des eigenen Unvermögens, um Übermalungen, die zu tiefem Raum mutieren, um das kontemplative Erarbeiten von Figuration, die trotz Verweigerung von Naturalismus prägnant und persönlich werden muss”. Matting ist überzeugt, „dass sich gute Malerei wie ein herzlicher Händedruck zwischen Seelenverwandten und durch die Zeiten vermitteln soll”. Insofern hat die langwierige Arbeit für ihn Sinn über die eigene Unterhaltung hinaus.

 

Stehende und liegende Gruppe, 1980/85Sabina Grzimek, vor allem als Bildhauerin bekannt geworden, verfügt in allen vier von ihr genutzten Medien (Skulptur, Malerei, Zeichnung, Grafik) über eine gleich starke Ausdruckskraft. Oft probiert sie ihre Motive auch in allen Techniken aus. Sabina Grzimek findet ihre Sujets in ihrem Umfeld, läßt persönliches Erleben in ihre Kunst einfließen. Ihre Arbeiten sind so in Form festgehaltene Augenblicke. Die Begriffe figurativ oder realistisch greifen zu kurz, um die Formensprache von Sabina Grzimek zu beschreiben. Nicht das reine Abbild ist ihr wichtig; ihre Motivation liegt im Ergründen des Verborgenen. Die spröde, grob gearbeitete Oberfläche ihrer Figuren steht im Kontrast zur Grazilität des Dargestellten. Ihre mit großer Natürlichkeit festgehaltenen Momente haben nichts artifizielles, gestelztes. Und es ist gerade diese Selbstverständlichkeit, die den Betrachter in das Werk der Künstlerin zieht.

Sabina Grzimek, 1942 Rom geboren, wuchs in Ost-Berlin auf. Sie studierte an der Hochschule für Bildende Kunst in Weißensee und war Meisterschülerin an der Akademie der Künste Berlin. Lebt und arbeitet in Erkner und Berlin.

Abbildung: Stehende und liegende Gruppe, 1980/85, Berlin/Lützowplatz

Zu Pietas, preußisch, 1987“Der Mensch ist bei Petrick kein Ebenbild, sondern bestenfalls ein Zerrbild Gottes, vielleicht auch des Teufels … Die Zeichnungen sind malerischer als die Bilder, von denen Eiseskälte ausströmt. Sie schreien nicht. Der Schrei ist eben abgerissen. Die Bilder spiegeln das Entsetzen, das zurückbleibt, wenn es nach dem Schrei wieder still geworden ist.”

Dieses Zitat einer Kunstkritik von Heinz Ohff aus dem Jahre 1969 anläßlich der ersten Einzelausstellung in der Galerie Poll trifft auch auf das danach entstandene Werk des 1939 in Berlin geborenen Künstlers, 1964-1967 Gründungsmitglied der Ausstellungsgemeinschaft “Großgörschen 35″ in Berlin, zu. Inzwischen ist Wolfgang Petrick mehr als 40 Jahre künstlerisch tätig. Zwei Jahrzehnte davon hat die Galerie Poll begleitet. Diese Ausstellung über den Zeitraum 1967-1987 umfaßt einerseits einen Überblick über das zeichnerische Werk der 60er Jahre mit Leihgaben aus dem Besitz der Kunststiftung Poll und andererseits Hauptwerke der Malerei und Collagen aus den 70er und 80er Jahren.

Wolfgang Petrick war von 1975 bis 2007 Professor an der Universität der Künste Berlin und arbeitet seit 1994 auch in seinem Atelier in New York.

Abbildung: Zu Pieta, preußisch, 1987
 

Kopf, 1983 Kinder II, 1980 Gläser I, 1980
oben: Kopf, 1983
unten: Neugeborene IV, 1975
Kinder II, 1980 Gläser I, 1980

Neugeborenes IV, 1975In den 70-er und 80-er Jahren erschaffte sich Maina-Miriam Munsky Zugang zu den Kreiß- und Operationssälen Berliner Kliniken. Diese Umgebung, die Munsky vor Ort intensiv studierte und in Skizzen und Fotos festhielt, symbolisierte für sie sowohl die moderne Zeit als auch die damit einhergehende Kälte und Distanz. Diesen Konflikt drückte die Malerin in ihren vielfältigen Darstellungen von Untersuchungen, Geburten und Operationen aus. Von dieser sterilen Welt malte Munsky fast 200 Ölgemälde im Stil des Kritischen Realismus. Die Malerin selbst benutzte den Ausdruck “wahrhaftig”. In knappen Sätzen beschrieb sie ihre Vorgehensweise: „Ich male meine Bilder nach eigenen Fotos und mit dem Pinsel. Ich male Eingriffe in das Leben der Frau, des Kindes. Ich male Operationen, die Geburt und den Tod, Grenzsituationen des Menschen, seiner Hilflosigkeit, seines Ausgeliefertseins. Ich male meine Bilder so objektiv, so wahrheitsgemäß, wie es mir möglich ist.”

Maina-Miriam Munsky war der weibliche Flügel des Berliner Kritischen Realismus, wie Heinz Ohff einmal schrieb. Soviel sie mit diesem gemeinsam hatte, zum Beispiel scharfe Beobachtung, ebenso scharfe Fixierung dieser Beobachtung und sorgfältige Bildgestaltung, so fehlt doch eines bei ihr, der eigentliche kritische Aspekt. Munsky wagte es damals ebenso inmitten bisweilen äußerst krasser und scharfer, im übrigen durchaus berechtigter und notwendiger Kritik auf etwas Positives hinzuweisen oder auch auf Überzeitliches: nämlich auf das Kind. Nach der Geburt ihres eigenen Kindes wechselte die mit dem Zeichner und Grafiker Peter Sorge verheiratete Malerin 1972 das schockierende Sujet. Als Höhepunkte ihres eigenwilligen Oeuvres entstanden nun in hyperrealistischer Technik der neuen Sachlichkeit Einblicke in magisch beleuchtete Operationssäle, in denen die subtile Farbigkeit breit ausgemalter Stoffbahnen von den Körperfragmenten ablenkt. Wenn Eberhard Roters einmal ihr Thema beschrieb, nämlich die Vereinzelung des Menschen, dann war damit letztendlich auch ihr eigenes Leben gemeint. Munsky lebte, seit wir sie kennen, auf zwei Bühnen, ja, in zwei Welten, die immer wieder und immer öfter aufeinanderstießen.


Acht Jahre nach dem Tod der Künstlerin erinnert die Galerie Eva Poll mit ihrer Ausstellung an das Werk dieser bedeutenden Vertreterin des Realismus.

 

Analyse der Wahrheit und ihre Untiefen, 2005 In den Bildern Antonello Bulginis (*1960) verschmelzen Eindrücke des Alltags, gelebte Leben und “gestohlene Erinnerungen”, wie er es selbst nennt, zu manchmal bizarr anmutenden Landschaften, die scheinbar ureigene, komische und tragische Geschichten erzählen wollen, dabei jedoch immer rätselhaft bleiben. Der Italiener ist ein Wanderer zwischen den Welten, Gegensätze sind sein Thema. Beim Ausloten von hell und dunkel, leise und laut, Wunschbild und Verdammnis malt er sich kraftvoll bis an die Grenzen dessen was das Triebhafte im Menschen sichtbar werden läßt.
Analyse der Wahrheit und ihre Untiefen, 2005

Selbstportrait, 2005 Olivier Heinry (*1965) widmet sich seit zehn Jahren unter Verwendung von einfachen, jedoch außergewöhnlichen Techniken der Malerei und Bildhauerei. Seine Intention ist es nicht, einen bildlichen Ausdruck auf Leinwand oder Papier zu verdichten - Heinry zerlegt, was er schaffen will, chromatisch und physisch. Im Stil des Pointillismus klebt oder sprüht der Künstler Farbpunkte auf den Bildträger. Erst aus einer gewissen Entfernung fügt sich im Auge des Betrachters das Bild zusammen. In seinen plastischen Arbeiten trägt Heinry das Bild in den Raum und läßt die Farbe zugunsten eines klaren Schwarz verschwinden. Akribisch perforiert er Papier. Durch die Leerstellen entstehen neue Bilder. Die ausgestanzten Partikel scheinen in den Raum zu wandern, um sich dort in Skulpturen neu zu formieren.
Selbstportrait, 2005

Beton/Platzhirsch, 2005/06 Heiko Matting (*1965) stellt in seinen Arbeiten noch immer sehr unterschiedliche deutsch-deutsche Realitäten einander gegenüber und offenbart dahinter liegende Denkweisen mit teilweise symbolischen Mitteln. Seine Bilder sind Erkundungsgänge, lange Wege, Lehrpfade für den Künstler. Das Ziel ist unbestimmt, vielleicht nicht notwendig, nicht einmal erwünscht - solange die Bewegung für ein Fortschreiten des Erkundungsganges sorgt.

Beton/Platzhirsch, 2005/06

Lila Himmel, 2004 Frank Sanderink (*1965) malt vor Ort in der Natur. Bäume verändern sich ständig, so wie Malerei während des Malens. Das ist für diesen künstler das eigentliche Abenteuer.

Lila Himmel, 2004

Vier Maler, vier Positionen, alle Mitte 40, kein Programm. Die Kraft ihrer Bilder ist die Kraft der Malerei.

 



Der Kurator Joost De Geest stellt 24 Positionen belgischer und deutscher Künstler vor, die in unterschiedlichsten Medien und mit mannif´gfaltigen stilistischen Mitteln ihre “Geschichten vom Wasser” erzählen. Einige Künstler greifen ernste Fragen, wie die Umweltverschmutzung, veränderte klimatische Erscheinungen oder die Erderwärmung auf. Andere behandeln das Thema poetisch spielerisch. Ob in realistischer Darstellungsweise oder mit abstraktem Ansatz - ob in der Mythologie begründet oder auf kunstgeschichtlichen Zitaten fußend - in den gezeigten Werken schwingt neben erzählten Geschichten so immer auch die geschichte des Wassers mit.

Eine scheinbare Stille des Elementes wird in einigen Arbeiten bei genauerer Betrachtung zum Sturm der Gedanken, die große Bewegung reduziert sich in anderen auf Orte bedrohlicher ruhe. Nie jedoch fehlt die im Element liegende Kraft der Bewegung und oft scheint das dem Medium Wasser ureigene Konfliktpotential in den Werken durch. Der elementare Gegensatz von Überfluß und Verknappung schafft Spannungen, die sich dem Betrachter vielfältig in Fotografie, Malerei, Plastik und Video offenbaren.

Künstler:

Christian Carez, Hervé Charles, Jacques De Backer, Serge De Backer, Colette Detaille, Norma Drimmer, Eric Fourez, Jean-Michel François, Ralf Kleine, Susanne Knaack, Svetlana Kopystianskaya, Dominique Maes, Marc, Michel Mineur, Helga Ntephe, Vessela Posner, Hans Scheib, Sabine Schneider, Vincent Solheid, Reinhard Stangl, Charles Szymkowicz, Helga Wagner, Angelique van Wesemael, Sigurd Wendland

 

Stillleben mit Hornisse und Astern, 2008

40 Rosen, 2007

Grüne Hölle, 2007

Ralf Kerbach, Herbststillleben Hans Scheib, 40 Rosen Reinhard Stangl, Grüne Hölle


Begegnet sind sich die drei ambitionierten Kreativen beim Studium an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden, wo sie ihr Abweichen vom vorherrschenden Realismus in der Kunst einte. Bis Mitte der 80er Jahre waren alle drei in den Westen übergesiedelt. 1986 erregte das Trio gemeinsam mit Cornelia Schleime und Helge Leiberg mit der Ausstellung „Malstrom” im Haus am Waldsee in Berlin großes Aufsehen. Die eigenwillige Kraft ihrer Arbeiten gepaart mit einem ausgeprägten Maß an Individualität sichert Kerbach, Scheib und Stangl bis heute ihren Erfolg.

Die Leinwände Ralf Kerbachs (*1956 in Dresden), Professor an der Kunsthochschule Dresden, strahlen vordergründig eine wohltuende Insichgekehrtheit aus, die jedoch bei näherer Betrachtung in mit klaren
Pinselstrichen erzählte Geschichten zerbricht. Nie wird Kerbach laut in seinen Bildern - aber er zeigt durch sie mit Raffinesse auf den Wissenden.

Hans Scheib (*1949 in Potsdam), der Holzarbeiter, schafft mit seinen schwebenden, aus einem Stamm gehauenen, leichten aber nicht leichtsinnigen Figuren sehr persönliche Wahrnehmungen für den Betrachter. Was der Bildhauer als Thema in seinem Alltag findet, erreicht den Ausstellungsbesucher unmittelbar und expressiv.

Dichte und Bewegung, Romantik und Idylle, fließende und großzügige Form- und Farbgebärden durchziehen die Malerei von Reinhard Stangl (*1950 in Leipzig) - egal welchen Sujets er sich annimmt. Als Maler sieht sich Stangl in eine Tradition einbezogen, der er selbst ein winziges Stück hinzufügen möchte mit seinem Schaffen.

„Pollenflug” in der Galerie Eva Poll ist mehr als eine Reminiszenz an den gemeinsamen Auftritt der Künstler im „Malstrom” vor 21 Jahren. Für die Ausstellung im 40. Jahr der Galerie Eva Poll haben die drei auf sehr unterschiedliche Weise zum Thema Blumen gearbeitet. Ein Mal mehr wird ihre Individualität deutlich, stehen sie nicht für ‚Schulen‘ wie die Künstler der nachfolgenden Generation.

„Pollenflug” ist keine Gefahr für Allergiker - ganz sicher aber eine lohnende Exkursion zu ersten Blüten frischen Wachstums aus drei spannenden Ateliers.