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Abenteuer Kunst

In Berlin und anderswo

40 Jahre Galerie Poll Berlin

Die Berliner Galerie Poll begeht am 7. Oktober 2008 ihr 40-jähriges Bestehen. Heute wie damals ist sie nicht nur der Gegenwart, dem Zeitgenössischen zugewandt, sondern immer auch offen für Entdeckungen vergessener Positionen aus zurückliegenden Jahrzehnten. »Wir unterscheiden uns« bleibt das Motto.

In der jetzt eröffneten Ausstellung über das grafische Werk Peter Sorges (»Aktualität als Rohstoff«), mit dessen Arbeiten die Galerie Poll 1968 ihre Ausstellungsräume eröffnet hat, wird an eine Künstlerpersönlichkeit erinnert, deren Prinzipien als Credo auch über dem Programm der Galerie stehen könnten: Chronist seiner Zeit und kritischer Begleiter aktueller politischer und gesellschaftlicher Vorgänge.

Hervorgegangen aus der Freundschaft mit den Gründern der legendären Künstlergemeinschaft »Großgörschen 35« realisierten Eva und Lothar C. Poll seit 1968 in Berlin, zuerst in der Charlottenburger Niebuhrstraße, später am Kurfürstendamm und heute am Lützowplatz in Tiergarten weit über 400 Ausstellungen mit Malerei, Fotografie, Zeichnung, Graphik und Skulptur aus Deutschland, darunter schon früh auch aus Ostdeutschland, der damaligen DDR, aus Russland, Frankreich, Italien und Spanien (Arroyo, Baratella, Canogar, Chuikov oder Erró).

Mit ihren Programmschwerpunkten »Realismus« und »Figuration« und ihrem klaren Ausstellungsprofil jenseits von Zeitgeist und Mainstream hat sich die Galerie Poll in den vergangenen vier Jahrzehnten fest in die deutsche Galerien- und Kunstlandschaft eingeschrieben.

Neben den Künstlern der ersten Stunde Peter Sorge, Hermann Albert oder Harald Duwe sind in den Ausstellungen der Galerie heute die Maler Volker Stelzmann, Maxim Kantor, Lambert M. Wintersberger, Ralf Kerbach und Reinhard Stangl ebenso regelmäßig zu sehen wie die Bildhauer Joachim Schmettau, Hans Scheib und Sabina Grzimek - aber auch Klassiker wie Volker Böhringer, Walter Gramatté oder Waldemar Grzimek.
Anfang der 80erJahre wurde das Galerieprogramm darüber hinaus um die Reihe »Junge Kunst« erweitert, in der immer wieder Malerei-Positionen, so von Thomas Lange, Peter Chevalier, Rolf Behm, Frank Nitsche und in den letzten Jahren von Susanne Knaack, Heiko Matting, Antonello Bulgini, Olivier Heinry und Frank Sanderink vorgestellt werden.

In dem Bewusstsein, dass Kunst eine starke Lobby braucht, setzte sich Eva Poll immer auch für kulturpolitische Belange ein. Die studierte Pädagogin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes war Mitbegründerin und viele Jahre lang Vorsitzende der Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler (Vorgängerin des heutigen Landesverbandes Berliner Galerien), die Ende der 60er Jahre parallel zu Köln in Berlin die ersten Messen für zeitgenössische Kunst veranstaltet hat. Eva Poll arbeitet u.a. im Vorstand des von Günter Grass gestifteten Daniel Chodowiecki-Preises, in der von ihr mitgegründeten Kunststiftung Poll und hat als Kuratorin zahlreicher Ausstellungen in Museen in Deutschland und im europäischen Ausland sowie in Goethe-Instituten weltweit Zeichen gesetzt.

Das »Abenteuer Kunst« wird Eva Poll auch künftig umtreiben. Mittelfristig ist ein Umzug der Galerie nach Berlin-Mitte geplant.