| |
Spielkartenbild I, 1966/67
Öl auf Leinwand, 121,5 x 72 cm
|
|
Akt an der Schaukel, 1965
Öl auf Leinwand, 86 x 34 cm
|
|
Die Kunststiftung Poll erinnert anläßlich seines einhundertsten
Geburtstages an den Berliner Maler Wilhelm Schläger (geb. 20.02.1907,
gest. 25.11.1990).
Der Künstler fiel in den fünfziger und sechziger Jahren
in einigen Ausstellungen mit eindringlich-heiteren Bildern auf,
vorwiegend Berliner Stadtlandschaften und Menschen aus seiner unmittelbaren
Lebenswelt. In den dreißiger Jahren von Emil Orlik und Oskar
Kokoschka gefördert, setzte er nach dem Zweiten Weltkrieg,
den er an einigen schlimmen Fronten erlebte, seine Studien bei Heinrich
Ehmsen und Ernst Fritsch fort.
Es gilt also nicht, einen Unbekannten zu entdecken. Nichts Spektakuläres.
Alles, was Wilhelm Schläger malte, zeichnete oder modellierte,
war schlicht, ohne Falsch. Ein friedfertiger Maler, jedenfalls kein
Naiver, obwohl die Handschrift in manchem als naiv erscheinen könnte.
Wilhelm Schläger, ein kunstakademisch Ausgebildeter, war eher
ein Wissender, der die Unmittelbarkeit seiner Ausdrucksweise, wie
sie Naiven zuweilen als Naturgeschenk gewährt wird, durch Selbstkontrolle
immer wieder erlangte. Bewegung erstarrt auf den Bildern zu Bewegungslosigkeit
wie bei archaischer Plastik. Die Dargestellten erscheinen wie im
Zauberschlaf versenkt. Das Betrachten der Bilder wird zu einer Pause
des Verweilens in unserem allzu oft in heftiger Bewegung befindlichen
Dasein.
Der Künstler hat Zeit seines Lebens in bescheidensten Verhältnissen
gelebt. Auch das gab es in den fünfziger, sechziger, siebziger
Jahren im alten Westberlin. Aus dem Lärm hielt Schläger
sich heraus und war doch mittendrin.
Sein künstlerisches Schaffen, egal ob Malerei, Dichterei oder
Vortrag, bildete den Mittelpunkt seines Lebens. Immer blieb er in
den Kreationen seiner Phantasie treu, trieben die Impulse seines
Herzens ihm die Hand.
Wir danken allen Beteiligten, daß diese kleine Ausstellung
zustande kommt, vor allem Jacques Naoum und seinen Mitstreitern,
der Berlinischen Galerie und vielen Ungenannten. Wir freuen uns,
daß wir mit ihnen einen kleinen Lichtstrahl in die Grauzone
der nicht offiziellen Kunstwelt lenken können.
|