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Göran
Gnaudschun
Laken, Košice,
2004
C-Print,
Auflage 3
36 x 24 cm
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Thomas
Leuner
o.T., 2000-03
Aus der Serie Wünsche + Projektionen
Inkjetprint auf Durabright
29 x 16 cm
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Der große Schüchterne des 20.
Jahrhunderts, Fernando Pessoa, sinniert in seinem Buch der Unruhe
über das Sehen: „Wir alle sind kurzsichtig, den Blick
nach innen ausgenommen. Nur der Traum ist klarsichtig.“ –
Als Fotografen fügen wir an: „Diese Klarsicht führt
nach Außen gerichtet zur Imagination des alltäglichen
Blickes.“
Der
Blick des Chronisten ist eher nüchtern, auf das Alltägliche
gerichtet, aber mit dem Ehrgeiz, die Ereignisse zu verdichten. Was
heißen soll: Er bemüht sich, die Dinge um sich herum
zu verstehen. Über diesen rein dokumentarischen Ansatz hinaus
will er aber auch seine eigene Geschichte erzählen. Dabei werden
die Möglichkeiten des Genres ausgenutzt, um eine persönliche
Bildsprache zu entwickeln. Dem "wie erzählt wird“
kommt die gleiche Aufmerksamkeit zu, wie dem „was erzählt
wird“. Das eine bedingt das andere und stellt den entscheidenden
Unterschied zur journalistischen Fotografie dar.
Eine der wesentlichen Orientierungsmöglichkeiten der Menschen
im Alltag ist die Beobachtungsgabe. Diese ist die Verknüpfung
von „Gesehenem“ und „neuen Eindrücken“,
also ein höchst subjektiver Vorgang, der blitzschnell und ausschließlich
intuitiv abläuft. Bei der künstlerischen Dokumentarfotografie
wird dies offen gelegt und zu einer besonderen Qualität der
Arbeit.
Die künstlerische Dokumentarfotografie hat zwei Ebenen. Die
eine ist die informative Sachfotografie, Dokument und Auslöser
von Erinnerungen. Die zweite Ebene ist die Kunstebene, in der über
Menschen, Gefühle, Selbstdarstellung und Ereignisse Fantasien
ermöglicht werden, die unabhängig und abgekoppelt vom
Zeitgeschehen ein Eigenleben entwickeln. Um diese zweite Ebene zu
erkennen, muss die Zeit, in der fotografiert wurde, ausgeblendet
werden. (Thomas Leuner)
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