350 prominente (gute und böse) Juden in Augenhöhe. Die „echte Überraschung”, die in Almog’s Titel „der auch..??.” zum Ausdruck kommt, ist ebenfalls aus vielen Gesprächen herauszuhören und führt tatsächlich manchmal bis zur Obsession. Passendes Beispiel ist die Geschichte über den Herrn, der in New York in einem Bus auf der 5th Avenue fährt und seine Sitznachbarin fragt, „Sind Sie jüdisch?” - „Nein” antwortet die Dame, aber der Herr hört nicht auf, die Frage zu wiederholen, bis die Dame schließlich sagt: „Also gut, ja, ich bin jüdisch”, woraufhin der Herr erwidert: „Das ist seltsam, Sie sehen gar nicht so aus!”

Das jüdische Gesicht war Thema für Rassisten und rassistische Anthropologen, und viele Vorurteile bestehen bis heute. Diese erfolgreiche und einzigartige Installation, entstanden im Jüdischen Museum der Stadt Wien, kehrt das rassistische Bild ins Gegenteil - sie betont die Verschiedenheit.

Oz Almog, israelisch-österreichischer Künstler, Jahrgang 1956, hat keine Scheu vor provokanten Themen. Er zeigt Vergessenes, Verdrängtes und greift mit unstillbarer Neugier und buchstäblich rücksichtslos in die Geschichte.

 


FÜNF THESEN

Die “direkte Fotografie” beruht auf dem ursprünglichen Gedanken der Fotografie.

Danach entsteht ein Foto durch das Auslösen eines Apparates. Und zwar in dem Augenblick, in dem der Fotograf einen Ausschnitt seiner Wahrnehmung als bildwürdig erkannt hat.

Daraus ergeben sich die Unterschiede zur Malerei und Grafik, die sich mit fünf Punkten benennen lassen.

  1. Aus einem lebenden Ablauf, der mit den Augen nur teilweise wahrnehmbar ist, wird ein “Standbild” ausgewählt. Dieses “Standbild” gelangt durch einen adäquaten Umgang mit der Kameratechnik auf das Trägermaterial. Dazu bedarf es einer speziellen bildnerischen Begabung.
  2. Der wesentliche Teil der künstlerischen Produktion geschieht „vor Ort“, der Künstler arbeitet nicht im geschützten Atelier oder Computerraum. Diese Produktionsart verändert den Künstler und das Objekt des Fotografierens.
  3. Das Bild, also das ausgearbeitete Foto, ist dann authentisch, wenn die Wahrnehmung des Fotografen im Augenblick seiner Entscheidung über die Bildwürdigkeit präzise wiedergegeben wird. Bei Vintage-Prints wird dies vermutet.
  4. Die nachträgliche Bearbeitung des Bildes hat dort ihre Grenzen, wo über die Retusche– also der Korrektur technischer Fehler oder Unzulänglichkeiten – hinaus das Bild verändert wird. Die Ergänzung des Bildes über das ursprünglich Wahrgenommene führt zum Wechsel ins Malerische/Grafische.
  5. Die “direkte Fotografie” wird in zwei Formen genutzt:als sachliches Dokument (Gebrauchsfotografie) und als Ausdruck des künstlerischen Gestaltungswillens. Beispiel: Die Fördertürme des Ehepaars Becher haben ihren Platz sowohl in der Bibliothek für Technikgeschichte, Abteilung Bergbau, als auch in der Galerie und im Museum für Bildende Kunst.

Die Besonderheiten der “direkten Fotografie” haben die Fotografen Göran Gnaudschun und Thomas Leuner als Grundlage für ihre Arbeiten genommen und sie zeitgenössisch interpretiert.

 

1-75 D-e-s, 1975
Aquatec auf Leinwand
170 x 130 cm
Hommage à Litfaß, 1964-66
Collage, Öl auf Holz

In der Galerie ist ein Querschnitt durch das gesamte Œuvre zu sehen. Zur Ausstellung erscheint die von Lothar C. Poll herausgegebene Monografie, “Prinzip Collage” mit Beiträgen von Karlheinz Lüdeking, Pierre Restany, Lothar Romain, Eberhard Roters und John Anthony Thwaites.

Kaufmanns künstlerischer Werdegang begann 1946 in Düsseldorf, wo er an der dortigen Staatlichen Kunstakademie studierte, zuerst mit dem Schwerpunkt Malerei. Nach Beendigung des Studiums schloß er sich 1953 der legendären Künstlergemeinschaft „Gruppe 53“ an, der auch Künstler wie Heinz Mack und Otto Piene angehörten und deren Vorsitzender Kaufmann 1957-1960 war.

Ab 1960 beschäftigte Kaufmann sich mit der neuen Werbe- und Medienwelt in Zeitungen und Glanzzeitschriften. Aus Schnipseln und Papierfetzen entstanden erste Zeitungscollagen. Eine Steigerung ergab sich Mitte der 60er Jahre; in seinen berühmten Litfaßsäulen verband sich das Prinzip Collage mit Objektkunst. Ende der 60er kamen weitere Werkstoffe wie Negativfilme in der Collagengestaltung hinzu.

Eine Interimsphase in den frühen 70er Jahren führte Kaufmann noch einmal zur Malerei. Er malte Acrylbilder, die Collagen vortäuschen. Diese Phase blieb kurz: 1977 kehrte er zur reinen Collagentechnik zurück. Während dieser ganzen Zeit (von 1967 bis 1990, dem Ende seiner Lehrtätigkeit,) war er Professor an der Hochschule der Künste, Berlin.

In seinem Spätwerk in den 80er und 90er Jahren waren Collagen weiter das wichtigste Medium. Jedoch rückte er in der Ausführung von thematischen Darstellungen ab, vielmehr wurde ein eher haptischer Umgang mit Materialien wie Packpapier, Wellpappe und anderen unbedruckten, neutralen Werkstoffen wichtig. Aus diesen “Rohstoffen” entstanden gestalterisch reife monochrome, plastisch reliefartig geformte Arbeiten, seine sogenannten “geschlossenen Bilder”.
Kaufmann lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Anlässlich seines 75. Geburtstages hat Herbert Kaufmann 1999 der Kunststiftung Poll ein Konvolut wichtiger in Berlin entstandener Arbeiten (Bilder und Säulen aus den Jahren 1968 - 1985) übereignet, die jetzt parallel in der Galerie der Kunststiftung (Gipsstraße 3 in Mitte) gezeigt werden.

 

 

 


Das neue Film-Fotografie-Projekt von Jacobo Borges „ROOM OF MEMORY“ ist geprägt vom Großstadterlebnis der Einsamkeit und Anonymität. Der Künstler hat sich in der Metropole New York über einen längeren Zeitraum mit der Kamera einem beispielhaften, scheinbar zufällig gewählten Ort zugewandt. Es könnte der Hinterausgang eines Betriebes sein, eine Plattform mit anschließender Treppe. Diese bildet das Forum und den Raum für alltägliche Momente – flüchtige Begegnungen von Menschen, zufälliges Zusammentreffen, Smalltalk. Der Beispiel-Raum steht für Großstadt schlechthin und ist austauschbar und verlegbar. Entstanden ist ein Film, der die Momente des Alltags festhält und einen Eindruck der Leere und Isolation vermittelt. Die daraus entnommenen Stills, die losgelöst ihre eigene Ästhetik vermitteln, werden in der Galerie Eva Poll in Großformaten als rasterförmig zusammengesetzte C-Prints präsentiert.

Zeitgleich zeigt die Kunststiftung Poll unter dem Titel „CHRYSLER – TIME PASSES“ Fotografien des Chrysler-Buildings in New York von Borges. Die Aufnahmen sind im Wandel der Jahreszeiten entstanden und setzen das berühmte Gebäude in verschiedene Lichtszenarien. Der Reiz des Gebäudes, beleuchtet an einem grauen Wintertag, kann ebenso bestechen wie ein Abbild in strahlender Frühlingssonne. Der wache Blick des Fotografen hat ausgesprochen stimmungsvolle, schöne New-York-Bilder hervorgebracht.

 

 

 

   

Anders als es der Titel von Bernd Damkes aktueller Werkgruppe vermuten läßt, handelt es sich bei den “Kleinen Stücken” nicht einfach um eine untergeordnete künstlerische Randerscheinung innerhalb eines größeren, bereits etablierten malerischen Œuvres. Als Produkte einer malerischen Forschung zeugen diese kleinformatigen Bildwerke vielmehr von einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit den kategorialen Bestimmungen des künstlerischen Bildbegriffs und dessen ästhetischen Dimensionen, also von Fläche, Farbe und deren Verbindung zum Umfeld, zum Raum. Anstelle des sonst gebräuchlichen Leinwandformats verbindet der Künstler bei seinen neuen Arbeiten handelsübliche MDF-Platten, die in kompakter und auch in zusammengesetzter Form zu variablen Bildträgern verarbeitet werden.

Bernd Damke, 1939 in Gräfendorf bei Torgau geboren, studierte 1959 bis 1963 an der Hochschule für bildende Künste Berlin bei Fred Thieler und Mac Zimmermann. 1969 Villa Romana Preis. 1969 bis 1973 “SYSTEM DESIGN”, Planungsgruppe für visuelle Leitsysteme. Seit 1972 Professur an der Fachhochschule Münster im Fachbereich Design, lebt und arbeitet Damke inzwischen in Potsdam und Münster.


 

 

   

 


o. T., 1994

„Ich habe keine Neigung zur Perfektion. Unzulänglichkeiten inspirieren mich“, sagt Reinhard Lange,”vor, während und nach dem Malvorgang, und das wertlose Material hilft, Hemmungen verschiedenster Art zu überwinden. Ich habe das Gefühl, daß die noch nassen Arbeiten über Nacht reifen – auch noch im Rahmen.” Die einzigartigen Bilder entstehen auf dem Boden, und als Malgrund dienen sowohl ausgediente Kartons undZeitungsseiten als auch alte Pappe oder Bettlaken. Gegenwärtiges vermischt sich zu einer neuen Welt von Empfindungen, Eindrücken und Assoziationsmöglichkeiten, die dem Betrachter immer wieder neue Entdeckungen und Seherlebnisse ermöglichen.
Reinhard Lange wurde 1938 in Hameln geboren. Er studierte von 1959 bis 1966 Malerei und Kunstpädagogik an der Hochschule für bildende Künste in Berlin bei Fred Thieler und Mac Zimmermann und war Meisterschüler bei Fred Thieler. 1964 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Ausstellungsgemeinschaft „Großgörschen 35“. Als Kunsterzieher ging er 1972 nach Hameln zurück, wo er bis heute lebt und arbeitet.

 

Fontane mit Kellner Berliner Ensemble bei Nacht, 1999 Brecht und Weigel in Buckow, 1973

Mohr wurde 1910 in Posen geboren, ein Jahr später zog die Familie nach Berlin. Er absolvierte eine Lehre als Schildermaler, studierte 1933/34 an der Vereinten Staatsschule für freie und angewandte Kunst Berlin (heute Universität der Künste) bei Maximilian Klewer und Franz Lenk. Bis zu seinem Kriegsdienst 1943 schlug er sich mit Gelegenheitsjobs als Zeichner durch. 1946 kehrte er nach Berlin zurück und wurde an die neu gegründete Kunsthochschule Weißensee berufen, an der er bis zu seiner Pensionierung 1975 als Professor für Naturstudien und Druckgraphik lehrte. Hier und an der Akademie der Künste engagierte er sich sehr für den Aufbau der Druckwerkstätten.

In Berlin fand Mohr viele seiner typischen Motive: Menschen auf Straßen und Plätzen, in Gartenlokalen, Kaffeehäusern und Parkanlagen, aber auch viele Modelle für seine bekannten Porträts, darunter Künstlerkollegen wie Brecht, Eisler und Weigel. Neben seinen humorvollen Abbildungen des Berliner Alltags gehören Momentaufnahmen aus dem Umland zu seinem umfangreichen Œuvre: Brecht in Buckow, Kellner in einem Lokal am See, schwimmende Enten.

Seine Sujets und der sparsame Strich sind unverwechselbare Markenzeichen, die Reduktion ist seine Stärke. Wenige Linien reichten für den scharfen Beobachter aus, um das Wesentliche festzuhalten - nach der Devise: „Wie im Leben, so sollte man auch in der Kunst auf den Punkt kommen.”

Im Alter entdeckte Mohr das Malen wieder, das er lange vernachlässigt hatte. Auch hier verwendete er seine geliebten Motive. Die Gegenüberstellung von Graphik, Zeichnung und Malerei in dieser Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick des Schaffens dieses zeichnerischen Chronisten von Berlin.

 

Tadeusz Kantor steht oder sitzt als stummer Beobachter immer auf der Bühne, dirigiert die Schauspieler, gibt der Technik Zeichen und arrangiert die Requisiten. Er hebt die Hand, einen Finger, berührt die Darsteller, er ist präsent. Mit meiner kleinen Leica, die ich immer in der Tasche trage, fotografiere ich das Geschehen auf der Bühne. Schnappschüsse von nicht alltäglichem Theater. Bilder von Aktionen, über die ich noch Tage später nachgedacht habe. Theater des Todes, das heute noch lebt.” (Dietmar Bührer)

Die auf diese Art entstandenen „Schnappschüsse” sind vom 9. April bis 14. Mai 2005 in der Kunststiftung Poll, Gipsstraße 3, 10119 Berlin zu sehen.

Dietmar Bührer, geboren 1947 in Rielasingen/Hegau, lebt und arbeitet seit 1970 in Berlin. Er ist Autodidakt. 1984 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie berufen. Seine Arbeiten wurden in Fotozeitschriften, Magazinen, Büchern und im Fernsehen publiziert. Seit 2000 widmet er sich auch der Literatur.

 

Auf den allerersten Blick scheint es sich bei Susanne Knaacks Malerei um Schwarz-Weiß-Fotografien bewegter See bei schwerem Wetter zu handeln. In Wirklichkeit spricht sie allerdings von konzeptioneller Malerei, die jenes rasante Wechselspiel der Elemente festhält, in einer Art dunkler Ruhe. Knaack, 1962 in Berlin geboren, fertigte ihre “Seestücke”, die besser als “Sehstücke” das Schauen hinterfragen, nicht in klassischer Manier mit dem Pinsel: Es sind vielmehr Schüttbilder - die Farbe wird, in der Tradition des action-painting, direkt auf die Leinwand gegeben und gelenkte Bewegung ihrem Lauf überlassen.

Melancholie und Härte, Rauheit und Beschaulichkeit, vermitteln diese Gemälde, ruhig und emotionsgeladen zugleich.

Waren ihre “Seestücke” zunächst im kleinen Format als Gesamtkompositionen konzipiert, geht die Künstlerin seit einigen Monaten auf große Formate über, die in zusätzlichen Räumen der Kunststiftung Poll jetzt erstmalig präsentiert werden.

 

Frisiersalon - auch donnerstags, 1994
Eitempera auf Leinwand
124 x 104 cm
Was sehen meine Augen, 1991
Eitempera auf Leinwand
170 x 130 cm

Den 1939 in Buenos Aires geborenen Julio Paz, der sich 1989 anlässlich der „Intergrafik“ als Gast des Verbandes Bildender Künstler in Ost-Berlin aufhielt, ließen die prosaischen Arrangements nicht mehr los. Was in der Spandauer Vorstadt und im Scheunenviertel von Berlin nach und nach verschwand, Julio Paz hielt es auf seinen Bildern fest: Das Firmenschild des Optikers Pepi, die aufgesockelten Gesundheitsschuhe vor vergilbten Tapeten und den parkenden Trabi mit Plüschsitzen im Leopardenmuster.Da es keineswegs das Anliegen des Künstlers war, die übersichtlich angeordnete Einheitsware in den Schaufenstern des Ostens der Lächerlichkeit preiszugeben, wurde ihm zu Ehren 1992 sogar das „Café Paz“ in der Rosenthaler Straße eröffnet. Seine Arbeiten bieten nämlich mehr als graue Nostalgie. Von ungebändigter Experimentierfreude zeugen die expressiven Bilder, die anlässlich der zehnjährigen Städtepartnerschaft Berlin – Buenos Aires in der Galerie der Kunststiftung Poll in der Gipsstraße 3 zu sehen sind. Hier werden die Grenzen der Malerei ausgelotet und es gelingen dem Künstler erstaunlich frische Collagen, Assemblagen und combine paintings.

Der Künstler, der nach dem Militärputsch Buenos Aires verlassen musste, lebt und arbeitet seit Ende der siebziger Jahre in Mailand als Bühnenbildner und Grafiker. Seit 1965 Ausstellungen in Buenos Aires, Tucumán, Milano, Berlin und New York. Das grafische Werk von Paz ist heute in vielen wichtigen grafischen Sammlungen Argentiniens, in Paris, Leipzig und Milano vertreten.

 

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