In der Hektik des zeitgenössischen Kunstgeschehens droht das Projekt der Moderne, das sich nicht aus gutem Geschmack oder gelungener Dekoration entwickelt hat, in Vergessenheit zu geraten. Wir müssen unsere Welt immer neu entwerfen, neu erobern, um in ihr leben zu können. Die Kunst nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein. Sie ist regulative Kraft gegen die Mächte von individuellem Eigennutz und Destruktion, von Bürokratisierung und Institutionalisierung. Kunst kann ein kritisches Organ der Wahrnehmung von Wirklichkeit sein. Je mehr für die Kultur geschieht, desto schlechter für sie. Dieser Satz von Eduard Steuermann, Wegbegleiter und Diskussionspartner von Theodor W. Adorno, aus den 60er Jahren, ist heute aktueller denn je. Die Autonomie der Kunst geht verloren. Kunst wird machbar und verfügbar als Ware, jede mehr oder weniger kluge Idee auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten verjubelt. Wir müssen Abschied nehmen von der Lüge der Mode, der Szene, der Macher in der Kunst und von Aktivitäten, die mit Kunst nichts zu tun haben. Abschied von der Mystifizierung von Begriffen, von Bildern. Unsere Hinwendung gilt einer Kunst, in der Ehrlichkeit kein verschämter Begriff ist, einer Kunst, die das Geheimnis des Lebens mit einschließt, denn Kunst darf vom Leben nicht getrennt werden.
Die 1986 als gemeinnützige GmbH gegründete Kunststiftung Poll widmet sich der Förderung und Erforschung figurativer Kunst im 20. Jahrhundert. Sie setzt sich dafür ein, dass bestimmte künstlerische Einzelpositionen des Realismus, unabhängig von Tagesmoden oder Entwicklungen des Marktes, für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben, fachkundig betreut werden und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren.
Hierbei spielt die Kunstsammlung der Stiftung eine zentrale Rolle. Schwerpunkt der stiftungseigenen Arbeiten bilden die künstlerischen Nachlässe, Zustiftungen und Werke von Künstlern, die sich sowohl mit aktuellen gesellschaftlichen Erscheinungen als auch mit den großen realistischen Strömungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Zuletzt wurde das fotografische Archiv des 2004 verstorbenen Künstlerfotografen Erhard Wehrmann von der Kunststiftung übernommen.
Seit 1997 zeigt die Kunststiftung in der von ihr geführten Galerie in der ehemaligen Musikschule Mitte regelmäßig Ausstellungen nicht nur aus den Beständen sondern auch aktuelle Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern - und hier mit Schwerpunkt Fotografie.
Eigene wissenschaftliche Projekte ergänzen die Arbeit der Stiftung, die von einem Beirat unterstützt wird, der sich aus Künstlern, Museumsdirektoren, Kunstkritikern und Sammlern zusammensetzt.
Nächste Ausstellung:
13. März bis 25. Mai 2010
Eröffnung: Sonnabend, 13. März, 17 Uhr
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Link zur Berlinischen Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur





